Du kannst Dir den Letter auch vorlesen lassen, wenn Du willst.
Dauer 5:51 Min.
Hallo ,
erinnerst Du Dich, wann Du das erste Mal gemerkt hast, dass Du möglicherweise anders behandelt wirst, als die Jungs in Deinem Umfeld. Ich war noch klein, als ich spürte, dass bei uns Mädchen und Frauen irgend etwas anders war.
Ich habe sehr sensibel und mit allen Sinnen wahrgenommen, dass es einen Unterschied macht, ein Mädchen zu sein. Ich habe es in meinem Körper gespürt.
Das ist wahrscheinlich einer meiner größten Antreiber, denn wie groß die Unterschiede tatsächlich sind, erfährst Du, wenn Du Mutter wirst. (Übrigens auch wenn Du (noch) nicht Mutter bist. Allein der Fakt, dass Du es irgendwann sein könntest reicht dafür schon aus…)
Männer mitnehmen
Seit ich Coachin werden wollte und mich speziell auf das Thema berufstätige Mütter fokussieren wollte, bekomme ich immer wieder den Rat „Nehmen Sie die Männer mit!“
Bisher war das nicht mein Plan, denn - wie gesagt - ich möchte Frauen erreichen, um etwas zu verändern. Selbstbewusst auftreten, intelligent Forderungen stellen, mutig vorangehen…
Dennoch, nachdem es immer wieder auftaucht, das mit den Männern, denke ich jetzt darüber nach, wie das aussehen könnte.
Fast so wie in einer Art Meta-Information höre ich, dass Männer in der heutigen Zeit auch die Veränderungen spüren, jedoch verunsichert sind und nicht wissen, wie sie es „richtig“ machen sollen.
Also: ich denke weiter nach.
Wie benennt man das Gefühl „das ist ungerecht!“?
Eine Freundin nannte es einmal: Dein „Zwang zur Gerechtigkeit“.
Ein Gefühl von… schwer zu sagen... Ohnmacht? Wut? Hilflosigkeit?
Alice Schwarzer sagte einmal in einem Interview, sie wundert sich, dass Frauen nicht noch wütender sind. Spoiler: Muss wohl daran liegen, dass wir zu erschöpft sind von der Care-Arbeit.
Bevor wir über Gefühle sprechen können, ist es einfacher wenn wir auf das hinweisen, was an der Oberfläche direkt als Unterschied zu sehen ist - was eigentlich diese Gefühle auslöst.
Welche Fakten sehen wir?
Ein Beispiel: Frauen erledigen 75 Prozent der weltweiten, unbezahlten Care-Arbeit.
A pro pos Fakten
Dazu habe ich eine Lese-Empfehlung für Dich - nein eigentlich ist es eine Lese-Pflicht. „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado Perez.
Sie erklärt, das die kontinuierliche und systematische Diskriminierung von Frauen darauf basiert, dass bei wissenschaftlichen Erhebungen von Daten zu allen möglichen Themen, Frauen selten berücksichtigt werden oder als Störfaktor bewertet und die Daten nicht verwendet werden. Dadurch entsteht eine Lücke (Gender Data Gap) - eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt.
Durch diese unvollständige Datenerhebung leben wir in einer Welt voller Daten und wundern uns aber, warum wir trotzdem immer noch 170 Jahre entfernt von Gleichberechtigung leben.
Das Verhalten von Menschen, die in sozialen Systemen miteinander interagieren, folgt uralten Verhaltensregeln im kulturellen Gedächtnis.
Das ist die Stelle in meinem Workshop „Verbale Selbstverteidigung“, bei dem die Teilnehmerinnen einen großen A-HA Moment erleben.
Frauenrechte - Menschenrechte
Wenn du mal 20 Minuten Zeit hast, dann schau oder höre Dir diese Rede von Hillary Clinton an, in der sie eindrucksvoll zusammenfasst, worum es geht, wenn wir von Frauenrechten sprechen. Es geht um Menschenrechte.
Die Rede ist ein rhetorisches Vorbild und fasst die ganzen Themen an, die Frauen weltweit betreffen. Ich finde jede*r sollte sie mal gehört oder gelesen haben. Der bekannteste Satz daraus, den man immer wieder hört, ist:
“If there is one message that echoes forth from this conference, let it be that human rights are women’s rights and women’s rights are human rights once and for all."
(Hillary Clinton, U.N. 4th World Conference on Women Plenary Session, 5. September 1995, Beijing, China)
Nochmal zum Thema „Männer mitnehmen“
Beim meinem letzten Workshop „Verbale Selbstverteidigung“ waren etwas ältere Teilnehmerinnen dabei, die Geschäftsführerinnen sind und sich in einem Umfeld bewegen, in dem Machtdemonstration durch Körpersprache und Sexismus am Arbeitsplatz stattfinden. Da ich den Workshop nur für Frauen anbiete, kam von ihnen wieder der Hinweis, das Training auch für Männer anzubieten, um sie für diese Themen zu sensibilisieren.
Ohnehin hatte ich vor, künftig den Workshop um das Thema Sexismus am Arbeitsplatz zu erweitern, da einige Fragen der Teilnehmerinnen darauf abzielen.
Was denkst Du darüber, ?
Sollen wir die Männer mitnehmen?
Bis zum nächsten Letter.
Liebe Grüße, Anna 💋
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