"Lohnt es sich, mein Business zu verkomplizieren?"
Feb 13, 2026 3:45 pm
Hallo ,
ich hatte diese Woche einen über eine Stunde langen Call mit einer Person, die sich für den Workshop Accelerator interessiert. "Oh man, tut mir Leid, dass wir jetzt schon so lange sprechen!", sagte sie am Ende. Aber meine Antwort (hinter der ich auch 100% stehe, das war nicht nur eine Höflichkeitsfloskel) lautet: "Das ist nicht schlimm, denn jeder dieser Calls ist für mich ja auch total lehrreich, was euch an Workshops interessiert, aber auch welche Fragen, Bedenken oder Hindernisse ihr habt."
Tatsächlich war da ein Satz von dieser Person, der mir im Kopf geblieben ist:
"Du verkaufst mir ja nicht nur den Accelerator, du verkaufst mir ja das Geschäftsmodell Workshops."
Und ja, da hat sie Recht! Da hab ich so noch nie drüber nachgedacht! Für die Erkenntnis hat sich der Call ja schon gelohnt.
Okay, hier meine Antwort darauf – denn das ist sicher für einige von euch auch relevant.
Von meinen bisherigen Accelerator-Teilnehmer:innen
- ... waren einige dabei, die Workshops für ihre eigene Audience/ihr Netzwerk angeboten haben (z.B. Lisa mit ihren Kooperationsworkshops und Stephie mit Schreibworkshops)
- ... waren einige dabei, die VIP Days konzipiert haben, die sie ihren Kund:innen als Alternative zur Dienstleistung anbieten können (z.B. Laura und Fiona)
- ... waren einige dabei, die schon Erfahrungen im Dozent:innen-B2B-Geschäftsmodell hatten und sich professionalisieren wollten (z.B. Anna und Ira)
Es sind aber auch immer mal welche dabei, die mit der B2B-Schiene ein ganz neues Standbein in ihrer Selbstständigkeit aufmachen. Und da ist die "lohnt sich das?"-Frage ganz logisch.
- Lohnt es sich, das aufzumachen?
- Lohnt es sich, Zeit und Geld dafür zu investieren, das zu lernen?
- Lohnt es sich, dafür mein Business komplizierter zu machen?
- Lohnt es sich, dafür neue Angebote zu entwickeln und passende Vermarktungsstrategien zu entwerfen?
Lohnt es sich, oder lenkt das nur von meinem Haupt-Business ab?
Ja, es stimmt, ein neues Standbein reinzunehmen wird Zeit und Kapazität kosten. Es fügt Komplexität hinzu. Und falls du gerade in einer sehr stressigen Phase bist, z.B. weil gerade viele Anfragen für ein bestehendes Angebot kommen, will man sich ja nicht zusätzlichen Stress aufhalsen, wenn man nicht weiß, ob's das wert ist.
Am Ende ist es eine Entscheidung, die du als Unternehmer:in treffen musst und die dir niemand abnehmen kann. Ich will aber meine Perspektive darauf geben:
Ich sehe folgende Vorteile des B2B-Dozent:innen-Geschäftsmodells
- Anfragen haben normalerweise einige Wochen oder Monate Vorlauf – wenn du jetzt startest, damit sichtbar zu werden, wird dein nächster Workshop nicht direkt nächste Woche stattfinden. Du hast genug Vorlaufzeit.
- Wenn man es einmal angeschoben hat, kommen Wiederbeauftragungen und Anfragen aus dem Netzwerk quasi von alleine. Die Anschub-Energie ist am Anfang wichtig, aber muss nicht dauerhaft beibehalten werden.
- Von den benötigten Tools und Workflows her ist ein Dozent:innen-Business ziemlich simpel, da gäbe es deutlich komplexere Standbeine.
- Die allermeisten Kund:innen haben kein Problem mit Onlineformaten oder bevorzugen diese sogar, d.h. man kann im ganzen deutschsprachigen Raum aktiv sein ohne die Reisekosten und -zeit.
- Die Sichtbarkeit als Dozentin zu einem Thema kann auf andere Standbeine abfärben. (Vorschau: in der nächsten Case Study wird es um eine Accelerator-Alumna geben, die dank ihres Seminars einen Buchvertrag bekommen hat!)
Nicht mehr, sondern anders arbeiten
An meiner Fensterbank klebt ein Post-it. Ein Reminder an mich selbst. Er ist ausgeblichen, aber noch lesbar. "Nicht mehr, sondern anders." steht da drauf. (Wer neugierig ist und ihn sehen will: ich mach gleich ein Foto und poste es bei Instagram, ok?) Es ist ein Reminder an mich selbst, nicht über meine Grenzen zu gehen und neue Ideen nicht blindlings hinzuzufügen, sondern dann etwas anderes zu verändern.
So sehe ich es auch beim Hinzufügen von Standbeinen in der Selbstständigkeit. Nicht einfach nur mehr machen/anbieten/arbeiten. Sondern anders. Denn wenn das Dozent:innen-Standbein läuft und dadurch gut bezahlte Aufträge reinkommen – was kann sich dann verändern? Kann ich dann ein paar Dienstleistungsaufträge weniger annehmen? Kann ich den Vertrag mit dem Nervkunden auslaufen lassen? Kann ich ein anderes Standbein absägen? Habe ich mehr Budget für eine Assistenz, die mir eine unliebsame Aufgabe abnimmt? Was kann sich verändern?
Und ist diese Veränderung so attraktiv, dass es sich dafür lohnt, jetzt für ein paar Monate mehr Komplexität hinzuzufügen?
Testen, bevor man ins kalte Wasser springt
Das tolle am Dozent:innen-Geschäftsmodell: Du kannst ziemlich leicht das Interesse testen, noch bevor du dich zum Accelerator anmeldest, dir Workshopkonzepte aus dem Ärmel schüttelst oder Folien in Canva baust.
Den ausführlichen Prozess hab ich im Inkubator Schritt für Schritt aufgeschrieben, aber die Kurzversion lautet: du kannst durch Recherche und durch dein Netzwerk nach potenziellen B2B-Auftraggeber:innen suchen und ihnen deine Workshopidee vorschlagen. Wenn außer Grillenzirpen nix zurückkommt, gibt es keinen Bedarf oder dein Pitch war schlecht. Wenn vages Interess und eine Einladung zum Kennenlernen zurückkommt, ist das schonmal ein gutes Zeichen. Wenn die Ansprechperson sofort Bedarf signalisiert und einen Termin vorschlägt, um Details festzuzurren, hast du den Auftrag schon halb in der Tasche.
Stell dir vor, ein Restaurant denkt: "Mensch, wir liegen hier so nah am Fahrradweg, wir könnten eine Terasse anbauen und Eiscreme für die Radfahrer im Sommer anbieten!" – würden sie direkt ein Bauunternehmen beauftragen, oder würden sie erstmal die kommende Sommersaison mit einem kleinen Eiswagen und ein paar Klappstühlen und Second-Hand-Bänken ausprobieren, ob die Radler Bock auf Eis haben? 🍨
Wenn du dich also fragst: Lohnt es sich, ein Workshop-Standbein aufzubauen, oder lenkt mich das von meinem Haupt-Biz ab?
– Dann wäre meine Gegenfrage: Kannst du dir von deinem Haupt-Biz in den nächsten Tagen und Wochen zumindest so viel Zeit abzwacken, dass du es mal testen kannst?
🐣 Meine Schritt-für-Schritt-Anleitung um das Dozent:innen-Modell zu verstehen, Auftraggeber:innen zu identifizieren und die ersten Schritte zu entwickeln, ist der Workshop Inkubator. (Kostet 220€ netto und falls du später in den Accelerator kommst, wird das angerechnet.)
☎️ Wenn du eine ganz andere Frage hast, die dir zum Thema Workshops/Workshops als Produkt/Workshops als Geschäftsmodell auf den Nägeln brennt, dann buch dir doch hier einen Kennenlerncall und wir können darüber sprechen. Im besten Fall kann ich deine Fragen beantworten und im worst case inspirieren sie mich immerhin zu Content ;)
LG Kato