untitled-Newsletter 27

May 01, 2026 9:46 am

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Hallo werte Leserschaft,


dieser und der nächste untitled-Newsletter werden wieder in einem loseren und kürzen Format erscheinen, denn bis Ende Mai stecke ich tief in einem Projekt, möchte aber mit euch dennoch das ein oder andere teilen. Ohne weitere Umschweife: Los geht’s!


Fragmente

Im letzten untitled-Newsletter schrieb ich darüber, wie KI-Tools auch bei mir Einzug in den Alltag halten. Dass ich also KI nicht mehr nur passiv nutze, durch Algorithmen, die meine Suchergebnisse und Social-Feeds befüllen, sondern aktiv in meine Arbeitsabläufe übernehme. Jonas schrieb mir daraufhin und fragte, ob sich dadurch meine Einstellung zu KI geändert hätte?


An meiner grundlegenden Einstellung hat sich nicht wirklich etwas geändert: Der derzeitige Ansatz für KI, mit Large Language Models (LLM), der besser nur Machine Learning statt KI genannt werden sollte, ist technisch äußerst beeindruckend. Dass diese Technologie derartige Ergebnisse liefern kann und skaliert, war vor 10 Jahren, als ich mich zum ersten mal mit Neural Networks, der Software hinter den LLMs, beschäftigte, noch nicht abzusehen.

Die andere Facette ist der Hype, der sich in den letzten 3–4 Jahre, darum entwickelt hat; die absurd hohen Investitionen in Rechenzentren und Start-Ups, um als erster an diesem neuen Frontier den Claim abzustecken und »den großen Gewinn« einfahren zu können. Dieser Entwicklung stehe ich nach wie vor äußerst kritisch gegenüber, denn den Preis den wir durch dieses aggressive Vorgehen als Gesellschaften weltweit dafür zahlen, ist äußerst hoch. Nichts weniger, als die Glaubwürdigkeit von dem, was wir sehen und hören, wird fahrlässig geopfert.


Meine Nutzung von KI-Tools erfolgt deshalb äußerst bedacht, »klassische« Chatbots nutze ich selten, dafür umso mehr Assistenzsysteme: Rovo in der Projektmanagement-Software Jira ist ein hilfreiches Werkzeug, insbesondere beim Übersetzen von Tickets von Deutsch zu Englisch; das funktioniert erstaunlich gut und auch komplexe Kontexte werden gut übersetzt. Zusammenfassungen und Beschreibungen werden i. d. R. auch recht solide generiert, aber eine manuelle Nachbereitung ist auf jeden Fall immer nötig, da auch das Tool nie den gesamten Kontext eines Projekts überblickt.


In diesem Monat habe ich Cotypist ausprobiert: Das ist eine »kleine« Mac-App, die einem Wörter und Sätze beim Schreiben vorschlägt, sodass einem für viele routinemäßige Formulierungen beim Schreiben Vorschläge gemacht werden und dies schnell übernommen werden können. Die App basiert auf einem lokalen LLM, sodass nichts, was man schreibt, den eigenen Computer verlässt, und funktioniert in allen Programmen und Textfeldern – es sei denn, man möchte das einschränken. Der Entwickler beschreibt das Schreiben mit Cotypist als einen »Tanz«; und besonders am Anfang sind das Tool und ich uns zwischendurch immer wieder auf die Füße getreten. Mittlerweile hat es sich aber zu einem hilfreichen Werkzeug entwickelt, dass mich im Alltag unterstützt.

Auf dem Computer, auf dem ich diesen Newsletter schreibe, funktioniert Cotypist aber nicht – die Worte in diesem Newsletter sind also alle von mir allein gewählt. Und das ist wunderbar, denn so ist die Ruhe beim Schreiben da, während kein Programm versucht meine Gedanken vorwegzunehmen und das Schreiben fühlt sich ungestört und intim an. Die weiße Seite, die sich hinter dem blinkenden Cursor auftut, ist leer; nur ich und meine Gedanken und Worte können sie füllen. Die »Angst« vor dem nächsten Satz, vor dem gähnenden, weißen Abgrund, der überwunden werden muss, die ist meine und ich allein werde sie überwinden, auch wenn es dauert und ich daran manchmal verzweifle. Diese Eigenheit des Schreibens, dass hat mich Cotypist weiter schätzen gelernt. Es ist super für den Alltag, wenn schnelle, konkrete und zielgerichtete Kommunikation wichtig ist; wenn es um meine eigenen Gedanken und um ein persönliches Schreiben geht, dann will ich es aber nicht nutzen.


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Bei Last Week Tonight gab es diese Woche auch ein Stück über die vielen, vielen Nachteile von Chatbots und wie die Folgekosten dieser Technologie und Tools verallgemeinert werden. Und im Video von B1M gibt es eine gute Übersicht darüber, wie die (AI-)Datacenters aufgebaut sind und wie viele Ressourcen sie verschlingen.


Derzeit betreue ich ein Projekt mit, bei dem KI-Tools als Assistenzsysteme eingesetzt werden sollen, um verschiedene manuelle und fehleranfällige Prozesse zu vereinfachen. Dabei kann man in der Entwickling mittlerweile auf eine große Vielzahl von LLMs oder KI-Services zurückgreifen und sehr schnell überzeugende Prototypen herstellen. Der Weg danach, vom Prototypen zum fertigen Produkt, ist aber um ein vielfaches aufwendiger, denn die LLMs und KI-Tools müssen eingefangen werden, wenn man nicht möchte, dass sie im Gespräch die Mathe-Hausaufgaben lösen, ein dreiseitiges Lasagne-Rezept rezitieren oder anderweitig missbraucht werden. Diese Guardrails zu implementieren ist aufwendig … und die Möglichkeiten für Missbrauch fast unendlich.


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Ihr habt schon von Microsoft Copilot gehört – also Microsofts KI-Service? Aber kennt ihr auch Microsoft 365 Copilot? Oder Microsoft Copilot Pro? Wählt eine Zahl zwischen 1 und 100, ratet Mal, wie viele Produkte Microsoft »Copilot« genannt hat und dann schaut euch diese Grafik an.


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Wenn ich mich derzeit nicht mit KI-Themen beschäftige, dann kreist mein Kopf die meiste Zeit um Fragen von Gemeinschaft und Orten in Quartieren, wie sie in einer Kleinstadt funktionieren können und wie Transformation von Vereinen und lokalen Akteuren im Wandel unserer Zeit und Gesellschaften gelingen können. Dabei stehen die Menschen und ihre Bedürfnisse im Vordergrund. Um diesen auf den Grund gehen zu können, braucht es nicht nur Gespräche und Wissen um gesellschaftliche Prozesse, sondern manchmal auch die ein oder andere Methode, um lokales Wissen offenzulegen, Szenarien durchzuspielen oder passende Lösungen zu entwickeln. Dafür lohnt es sich, einen »Werkzeugkoffer« an Methoden zu haben, aus dem man sich bedienen kann. Auf der Website This Is Service Design Doing gibt es einen Methodenkoffer aus dem Bereich des Service Design mit 54 Methoden zum kostenlosen durchstöbern.


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Über einen Post bin ich wieder auf CSS Zen Garden aus den frühen 2000ern aufmerksam geworden, als die Fundamente für das moderne Webdesign und die moderne Webentwicklung gelegt wurden. CSS Zen Garden sollte demonstrieren, was mit CSS möglich ist und wie sich dadurch Inhalt (in HTML) und Design (in CSS) trennen lassen und damit Websites besser durchsuchbar für Suchmaschinen und insgesamt Barrierefreier werden. Ich erinnere mich, wie ich regelmäßig auf der Website war, um zu sehen, welche neuen Designs veröffentlicht wurden und welche Tricks ich mir abgucken könnte. Das initiale Design »tranquille« ist Legendär, »door to my garden« zeigte, wie sich das damals populäre Grunge-Design auch mit CSS umsetzen lässt, und »Wiggles The Wonderworm« zeigte experimentelles Design mit Storytelling. Eine Zeitreise ins Webdesign der 2000er, mit viel Mini-Typografie. »tranquille«, »Hedges«, »si6«, »Mediterranean«, »Urban«, »Zen City Morning« und »Under The Sea« sind auf jeden Fall Designs, die meinen Geschmack und meine Designs der Zeit geprägt haben.


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Stell dir vor, wir fliegen (wieder) zum Mond und keiner guckt hin. Naja, ganz so ist es nicht. Aber als Weltraum- und Raumfahrt-Fan war ich schon etwas überrascht, dass ich von der aktuellen Mond-Mission erst hörte, als es Probleme mit Outlook gab. Und auch wenn es technisch und wissenschaftlich absolut beeindruckend ist, bleibt für mich immer dabei der fade Beigeschmack der faschistischen US-Politik, die das alles wie eine gigantische Propaganda-Aktion wirken lässt und die Errungenschaft für die Menschheit für mich jäh überschattet. melodysheep hat aber aus den Bildern der Mission mit seiner Musik ein tief bewegendes Video kompiliert, dass mir wieder etwas die Faszination für den Flug zum Mond zurückgibt.


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Brauchen dein Cursor und du mal wieder eine Auszeit von der Arbeit? Dann geht zusammen ins Camp Cursor und gönnt euch eine Pause! Ihr könnt im Meer schwimmen gehen, zum Rutschen, ins Open-Air-Kino oder Marshmellows rösten und viel, viel mehr. Achtung! Ihr seid nicht allein und manchmal ist es so voll, wie beim Abendbuffet im Club-Urlaub, aber dafür kann man zusammen auch mal Beach-Volleyball spielen oder Höhlen erkunden.


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Wenn ich, wie im Moment, ruhige Musik neben der Arbeit brauche, die nicht all zu aufregend ist und keinen Gesang enthält, dann höre ich bei musicForProgramming(); rein. Dort gibt es ruhige Mixes, meist um die 1:30 h, die auch mal über Ambient in vage Soundscapes abdriften. Ideal für eine Fokus-Zeit.


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Falls es dann etwas mehr sein darf, dann gibt es bei Login.jp_ auf YouTube einige schöne Mixes von japanischen DJs an verschiedenen kulturellen Orten: Ob Acid Techno in der Sake-Fabrik, Future Jazz und Jungle am Reisfeld oder Soul und Old-School-Hip-Hop beim Frisör, hier findet sich eine breite Auswahl an Musik, die zudem einen kleinen Einblick in den japanischen Alltag gibt – wie in einem der letzten Mixes, bei dem es zu ruhigen Nu-Jazz und Trip-Hop im Zug durch die verschneiten Berglandschaften der Präfektur Akita geht.


Musik zum Ausgang

Wenn ich nach einem Meeting-Marathon in MS Teams mal eine kleine Pause brauche, dann gehe raus, schaue in den Teich und beobachte die Fische. Und deshalb landet dieses Mal, für diesen erquickenden Moment der Ruhe das Stück The Goldfish von Sophie Riviere (TIDAL) auf der Playlist zum Newsletter.


Nachwort

Immer wenn ich auf meine Liste gucke und denke, »ach, so viele Dinge sind es gar nicht, über die ich schreiben kann«, dann kommt doch immer wieder so ein Brett heraus. Nächsten Monat wird es aber sehr wahrscheinlich dünner werden. Seid gewarnt und habt einen schönen Wonnemonat Mai.


Beste Grüße

Arne

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