Kapitel #075 Management Update - Auferstehung
Apr 07, 2026 5:01 am
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Editorial
Ausgabe 75 des Newsletter - Die Auferstehung
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Osterdienstag (sagt man das?). Der Kaffee ist lauwarm, die Reste vom Osterlamm liegen noch irgendwo. Bestes Timing für einen Newsletter, der sich mit noch einmal abschließend mit der Auferstehung beschäftigt.
Wobei – theologische (Un-) Tiefe gibt es hier keine. Aber das Prinzip? Comeback nach dem Aus. Neu starten, wenn alle schon abgeschrieben haben. Das kennen wir aus der Wirtschaft genauso. Und eine Geschichte davon ist so gut, dass sie fast schon zu schön ist, um wahr zu sein.
👀 Unsere Themen heute:
- Headliner: Auferstehung - Stein für Stein
- Playbook: Comeback-Strategien nach der Krise
- The Story Behind: 11.695
- OGN: Es gibt sie noch, die guten zweiten Chance
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Headliner: Auferstehung - Stein für Stein
Marktführer in deiner Kategorie. Kinder weltweit lieben dein Produkt. Dein Name ist so ikonisch, dass er zum Synonym für die gesamte Branche geworden ist. Alles richtig gemacht.
Und dann – innerhalb von wenigen Jahren – fast pleite.
Willkommen bei Lego, Anfang der 2000er Jahre. Was war passiert? Die Dänen hatten in den 90ern aggressiv diversifiziert: Freizeitparks, Videospiele, Kleidung, TV-Serien, eigene Einzelhandelsketten. Aus einem Spielzeughersteller wurde ein Konsumgüterkonzern. Klingt strategisch. Hm - vielleicht etwas über-ambitioniert.
2003 brach der Umsatz um 30% ein. 2004 schrieb Lego den größten Verlust der Unternehmensgeschichte. Die Banken wurden nervös. Der dänische Familienkonzern stand am Rand. Was folgte, ist bis heute immer wieder lesenswert.
Neuer CEO Jørgen Vig Knudstorp, damals 36 Jahre alt, trat an und machte das scheinbar Unspektakuläre: er sortierte alles raus, was nicht Lego war. Freizeitparks verkauft. Kleidung eingestellt. Videospiele stark reduziert. Fokus zurück auf den Kern – den Stein. Den kleinen, klickenden, in jedem Kinderzimmer schmerzhaft auf dem Fußboden liegenden Plastikstein.
Dazu: Produktlinie radikal verschlankt, Lieferkette saniert, Kostenbasis halbiert. 2006 war Lego wieder profitabel. Heute ist Lego gemessen am Gewinn profitabler als viele Automobilkonzerne.
Mein Take: Die Lego-Geschichte ist deshalb so gut, weil sie dem Wachstumsirrtum im Management aufräumt: dass Diversifikation Sicherheit schafft. Tut sie manchmal. Aber sie versteckt auch die eigentliche Frage: Wofür stehen wir ? Was können wir besser als alle anderen? Und haben wir den Mut, alles andere loszulassen?
Auferstehung funktioniert also. Aber nicht (nur) durch Expansion, sondern auch durch Reduktion. Etwas, das sich viele Unternehmen (und Menschen) ungern eingestehen.
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Playbook: Comeback-Strategien nach der Krise
Was trennt Unternehmen, die aus einer Krise gestärkt hervorgehen, von denen, die sich nie erholen? Hier sind Top-3-Strategien – verdichtet aus Lego und anderen Fällen:
- Schmerzhaft ehrliche Diagnose. Kein Comeback ohne klares Bild, wo man steht. Lego ließ externe Berater ran und schaute hin, welche Produktlinien wirklich Geld verdienten (➡️ weniger als erwartet) und welche Overhead produzierten (➡️ mehr als erwartet). Wer die Diagnose schönt, kuriert Symptome.
- Zurück zum Kern – nicht zum Komfort. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, womit ein Unternehmen groß geworden ist, und dem, was es wirklich einzigartig macht. Lego hätte den Freizeitpark behalten können – als nostalgischen Komfort. Stattdessen: Fokus auf das, was niemand kopieren konnte. Den Stein. Die Kreativität dahinter.
- Weniger Prioritäten, nicht mehr. Krisen lösen oft einen Reflex aus: mehr Projekte, mehr Initiativen, mehr Aktivität. Das Gegenteil hilft. Unternehmen, die nach einer Krise zu schnell zu viel gleichzeitig angehen, überleben zwar – aber wachsen selten wieder richtig. Knudstorp strich Produktlinien kompromisslos.
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The Story Behind: 11.695
Jetzt wo es wieder läuft, kann Lego auch mal hin und wieder zeigen, was so geht.
11.695 Teile: die Lego Art World Map (Link zu den größten Lego-Sets in der Übersicht), das absolut größte Modell bisher.
In Hamburg ist bei "Bricks Bramfeld" ein Exemplar für schlanke 350,-€ verfügbar (Stand März 2026) - also ab ins Auto oder den Zug und zuschlagen. Link
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One Good News: Es gibt sie noch, die guten zweiten Chance
Eine viel zitierte Studie von Gompers, Kovner, Lerner und Scharfstein hat über 3.700 VC-finanzierte Gründungen ausgewertet. Das Ergebnis: Seriengründer haben eine um rund vier Prozentpunkte höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als Erstgründer (Link).
Klingt wenig – aber beim Gründen, wo die meisten scheitern, ist das ein echter Unterschied. Besonders interessant: Bei Seriengründern, die bereits einmal gescheitert waren, lag die Erfolgsquote bei 25,9% gegenüber 17,7% bei vergleichbaren Erstgründern. Wer also einmal gescheitert ist, gründet beim zweiten Mal mit deutlich besseren Karten.
Warum? Erfahrene Gründer sind besser im Aufbau persönlicher Netzwerke, erhalten schneller Zugang zu Kapital, gehen kalkulierter Risiken ein und bauen effektivere Teams auf. Kurz: Scheitern lehrt die Erfolgreichen.
Also: Krone richten und weiter geht es!
Viele Grüße aus Hamburg und auf bald!
Torsten
PS: Ihr habt bis hierhin durchgehalten? Danke und hier der Bonus-Link der Ausgabe: Ok, jetzt habe ich den ganzen Newsletter lang versucht, die Stimmung zu heben und die Auferstehung zu ermöglichen. Aber wahrscheinlich ist die Welt in Wirklichkeit trübe und gemein. daher: Link zum Pessimist-Archive - nur negative Nachrichten, versprochen!.
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