🐞 Fühler ausstrecken im Dezember
Dec 14, 2025 2:03 pm
¡Hola!
Zwei Wochen noch, dann ist 2025 rum. Wie ist deine Bilanz? Für mich ging es im Rückblick erst gemächlich los, in der zweiten Jahreshälfte dagegen wurde es dafür umso aufregender.
In der Reihe "Caro wundert sich über die Natur" kann ich diesmal aus Teneriffa berichten. Dort war ich Ende November, vor allem zum Wandern, denn was soll man sonst tun in dieser unfassbar abwechslungsreichen Landschaft? Hochgebirge, Nebelurwald, alles dabei. Die Fotos in diesem Newsletter geben einen kleinen Eindruck.
Die Kanaren kriegen mich immer wieder. Vor Jahrzehnten war ich zum ersten Mal dort und seitdem faszinieren mich Endemiten, also Arten, die ausschließlich an einem Ort der Erde vorkommen. Endemische Arten und Inseln, denn die sind ja ökologisch nahezu geschlossene Systeme (obwohl es für uns Menschen so einfach ist, zwischen ihnen hin und her zu wechseln). Und was könnte für diese Kombination besser geeignet sein als ein Archipel vulkanischen Ursprungs, hunderte Kilometer vom Festland entfernt auf einer geografischen Breite, die sonst für ihre Wüsten bekannt ist?
Jedenfalls bin ich zum Beispiel diesem Endemiten begegnet, der Kanarenbuchfink:
Ebenfalls im Wettkampf um das niedlichste Tierchen ist dieser Kandidat:
Insulivitrina lamarckii, eine kleine Art von Glasschnecke, die ausschließlich im Anaga-Gebirge im Osten Teneriffas vorkommt. Ok, sie ist wirklich etwas befremdlich. Aber sie ist weder Nacktschnecke noch Gehäuseschnecke, sondern zählt zu jener Gruppe von Schnecken, die die Evolution direkt dazwischen hat entstehen lassen. In dem merkwürdigen Buckel verbirgt sich ein feines, fast durchsichtiges Schneckenhaus, unter der Haut - es scheint sogar durch, wenn man genau hinschaut. Es gibt natürlich noch andere Glasschnecken überall auf der Welt, aber diese hier, die lebt nur auf Teneriffa und dort ausschließlich im Anaga-Gebirge. Wir sind ihr massenhaft begegnet, als wir im Nebelwald El Pijaral unterwegs waren.
Zufällig auf solche endemischen Arten zu treffen zeigt mir immer wieder aufs Offensichtlichste, wie fragil die natürliche Vielfalt unseres Planeten ist. Wenn ihr inseliger Lebensraum zerstört wird oder sich zu stark verändert, dann verschwinden sie aus der aktuellen Ausgabe des Katalogs des Lebens. Keine Chance! Den Kanarenbuchfink mag man vielleicht noch in Zoos wiederfinden. Aber diese Schnecke, die zugegebenermaßen wirklich keinen Niedlichkeitswettbewerb gewinnen würde, die wär wirklich weg.
Bei aller Wanderei bin ich im Urlaub auch zum Lesen gekommen. Dabei waren:
"Lázár" (Nelio Biedermann): Dazu gibt es ja einen ziemlichen Hype und entsprechend neugierig war ich. Leider hat es bei mir nur einen schalen Eindruck hinterlassen. Es ist als Familienepos angelegt, mir schien es, als sollte es eine Mischung aus Hundert Jahre Einsamkeit und Downton Abbey sein, aber dann doch nur "sollte sein". Ein riesiger Bogen, aber die Figuren darin konnte ich nicht greifen. Naja.
Anders war es bei "Anderswo", einem Jugendbuch von Gabrielle Zevin, die sich mit "Morgen, morgen und wieder morgen" in mein Herz geschrieben hat. Bei "Anderswo" geht es um die jugendliche Liz, die gleich zu Beginn bei einem Autounfall stirbt und ins Jenseits gerät. Dort lebt man ein normales Leben, nur dass man rückwärts altert. Liz sträubt sich gegen das Aus-dem-Leben-gerissen-Sein, sie versucht auszubrechen, arrangiert sich dann doch und hat mit ihren 15 Jahren dann doch nur ein kurzes Rückwärts-Leben. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt bei einem Buch so geheult habe, oh mann.
Vergnügt habe ich mich dagegen mit "Drifter", einem Berlin-Roman von Ulrike Sterblich. Protagonist Wenzel schlufft sich darin durch den Tag, bis er der mysteriösen Vica begegnet, die irgendwie allwissend ist und alles um sich herum mit ihrer Anwesenheit verändert. Ein wilder, bunt schillernder Ritt durch Tag und Nacht.
🦎
Zum Lesen gibt es dieser Tage auch wieder von mir am Kiosk: Für das aktuelle Heft von P.M. hab ich über die Intelligenz von Krähen und anderen Rabenvögeln geschrieben. Und für das P.M.-Sonderheft zum Thema Musik hab ich darüber geschrieben, was Musik eigentlich mit Tieren macht.
True Crime als Genre sind ja noch so ein Hype, der nicht gut an mich geht. Ich ertrage schwer die vermeintlich nüchterne und doch irgendwie immer geifernde Sensationslust, die auf den Rücken der Opfer ausgetragen wird. Als ob noch die schlimmste Straftaten nicht echte Menschen betreffen würde, sondern wirklich nur eine Geschichte wäre. Es gibt aber trotzdem einen True Crime-Podcast, den ich absolut gerne höre: Tatort Kunst vom Deutschlandfunk. Dort geht es um Kunstdiebstähle, Fälschungen und verhinderte Restitutionen. Klasse produziert und spannend, sodass man noch richtig viel über das Geschäft mit Kunst lernt. Endlich, endlich gibt es jetzt eine neue Staffel! In der ARD-Audiothek und bei allen gängigen Plattformen.
Und auch von meinem eigenen Podcast Optisch Definiert (den man ebenfalls auf allen gängigen Plattformen findet) gibt es eine neue Folge: Wir haben mit Tine Steen gesprochen, die kürzlich mit 60 ihren ersten Comic veröffentlicht hat. In "Die kochenden Affen" geht es darum, wie die Manipulation von Nahrung die Menschheitsgeschichte beeinflusste. Tine ist eigentlich etablierte Bildhauerin und Malerin. Ihr Comicstil basiert vor allem auf kleinen Geschichten, die sie einst für ihre Kinder auf Kitafahrten gezeichnet hat. Sie sagt, einen Comic zu zeichnen ist, als wenn man sein eigenes kleines Häuschen baut und darin jahrelang wohnt. Wie schön!
Achso, und außerdem hab ich seit der letzten Newsletter-Ausgabe meinen Podcast-Partner geheiratet 😄 war super! Und ist es immer noch.
Jetzt: Auf in den Jahresendspurt! Ich wünsche dir eine halbwegs entspannte, köstliche und virenfreie Zeit.
Bis 2026
Caro